Referendariat = Vorbereitungsdienst?
Eine der sonderbaren Erfahrungen, die man recht früh als Lehrerkind macht, ist in bestimmten Situationen ganz alleine einen Standpunkt vertreten zu müssen, wo doch alle anderen ganz anderer Meinung sind: Immer dann nämlich, wenn alles über die “faulen Säcke” (Gerhard Schröder) im Schuldienst schimpft und über deren gutdotierte Halbtagsjobs mit 75 Tagen Jahresurlaub. Ich zumindest fühlte mich dann nämlich gezwungen, den Lehrerberuf mit aller Vehemenz zu verteigen und glaubhaft zu versichern, dass mein Vater mindestens genauso hart und viel arbeiten müsse, wie alle anderen Väter auch. Und wenn das nichts half, war stets mein letztes Argument: “Wenn es Lehrer doch so gut haben, warum bist du dann nicht selbst Lehrer geworden?”
Ja warum bin ich eigentlich kein Lehrer geworden? Vielleicht weil es da etwas gibt, was man vor dem vermeintlich süßen Beamtendasein zu überstehen hat: das zuletzt von der Süddeutschen Zeitung als “schlimmste Zeit des Lebens” beschriebene Referendariat. Anderthalb Jahre Dauerstress, weil neben dem ganz normalen Unterrichten (was ja bei fertigen Lehrern bekanntlich ein Full-Time-Job ist) mit einem Irrsinnsaufwand Unterrichtsbesuche vorbereitet werden müssen und die Vor- und Nachbereitung für das praxisferne Seminargeschwafel betrieben werden muss. Dazu kommt noch das Schreiben der Examensarbeit und die Vorbereitung für die Prüfungen in Schulrecht, Pädagogik und den eigentlichen Lehrfächern. Und das nennt sich dann Vorbereitungsdienst. Auf was soll das einen Lehramtsanwärter bitteschön vorbereiten - die Vorhölle? Aber was bleibt dem Referandar anderes übrig - schließlich macht der zukünftige Arbeitgeber die Regeln - da heißt es “Augen zu und durch”.
Offensichtlich blieb diese Leidensfähigkeit in Stuttgart nicht unbemerkt - denn die Landesregierung hatte eine ganz hervorragende Idee, die Arbeitskraft der Referendare für ihre Sparbemühungen einzuspannen: Zum Schuljahr 07/08 sollen alle Lehrer/innen im Vorbereitungsdienst bei gleich bleibenden Bezügen eine Stunde mehr unterrichten. Dies entspricht einem Gesamtvolumen von rund 280 Lehrer/innenstellen in Baden-Württemberg. Genau soviele freiwerdende Stellen sollen nämlich 2008 gesperrt und vorerst nicht wieder besetzt werden.
Ja, die Schwaben sind ja bekannt für ihre Sparsamkeit. Da drückt man gerne mal ein Auge zu und vergißt Wahlversprechen und schlechte PISA-Ergebnisse und schaut den Referendaren beim Wegrationalisieren ihrer zukünftigen Arbeitsplätze zu. Glückwunsch Herr Oettinger und Herr Rau - dank ihnen wissen wir jetzt worauf der Vorbereitungsdienst vorbereiten soll: Auf die Arbeitslosigkeit.
Am 20. März 2007 um 05:51 Uhr
Hi,
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Thanks a lot!
A chinese student