Direct Marketing für Spendengelder?
Heute hatte ich einen Brief im Briefkasten - auf der Rückseite stand handschriftlich geschrieben: “Dringend! Helfen Sie den Flüchtlingen im Sudan!” Darinnen: Zwei Fotos von afrikanischen Kindern, der “kleinen Samina, die Wasser zu ihrer jüngeren Schwester und ihrer kranken Mutter schleppt” und einem “kleinen Mädchen, dass auf dem nakten Boden sitzt”. Aha, schon wieder Post von CARE International Deutschland e.V.
Nun ist es etwa ein Jahr her, dass ich bei CARE 20 Euro für die Hungerhilfe im Tschad gespendet habe. Ich schwöre, ich habe es nicht getan, um später einmal in meinem Blog mit meiner Mildtätigkeit anzugeben. Ich wollte einfach nur etwas spenden, weil mir die Menschen Leid taten - es war aus einer spontanen Situation und Stimmung heraus. Und dass ich gerade an CARE gespendet habe, war reiner Zufall. Es war eben die erstbeste Organisation, die mir einfiel.
Seither bekomme ich regelmäßg Post von CARE, oder sagen wir besser “Werbung”. Werbung für mehr Spenden. Die Briefe sind immer bewegend geschrieben, mit mitleidsheischenden Fotos garniert und von professioneller Hand gestaltet. Es sind Musterbeispiele des Direct Marketing - ich bin Teil der anvisierten Zielgruppe und mir wird ein Produkt angeboten. Welches Produkt? “Für 25 Euro können wir ein Kind einen Monat lang ernähren, für 50 Euro eine ganze Familie eine Woche lang.” Care verkauft ein ruhiges Gewissen für Wohlstandsmenschen.
Um ehrlich zu sein: Ich bedauere es heute, dorthin gespendet zu haben - denn von meinen 20 Euro kann unmöglich noch irgendetwas in Afrika angekommen sein. Allein für das Porto und den Hochglanz-Druck der Bittbriefe ist meine Spende inzwischen längst aufbraucht - falls nicht: die Werbeagentur will ja auch von etwas leben. Ich habe also keinen hungernden Kindern geholfen, sondern die Industrie der Hilfsorganisationen unterstützt.
Warum gibt es keine Hilfsorganisationen ohne gierigen Marketingapparat, wo man einfach mal etwas spenden kann, ohne dass der größte Teil hier im reichen Europa versickert?
—-
Update: Der Anblick der netten Mitarbeiter der Marketingabteilung von CARE hat mich nachdenklich gemacht, ob ich nicht zu hart und zu vorschnell geurteilt habe. Sie sehen wirklich nicht gierig aus. Trotzdem will ich bitte keine Werbung mehr von ihnen bekommen.