Shill Bidding - der kleine eBay-Betrug
Wahre Geschichte, erlebt beim Online-Auktionshaus meines Vertrauens: Eine eBay-Versteigerung für einen angeblich neuen DVD-Festplatten-Rekorder mit Mini-DV-Laufwerk (ja, so etwas gibt es) ist drei Tage vor Aktionsende immer noch bei günstigen 100 Euro — immerhin kostet so ein Teil sonst um die 1.500 Euro. Ich bookmarke mir das Angebot und schaue am letzten Angebotstag noch einmal herein.
Heute nun, kurz vor Ablauf der Auktion: Ich schlage beim Warten irgendwie die Zeit tot und schaue ich mir einmal die bisherigen Bieter an. Hinter dem Namen des Höchstbietenden steht so ein seltsames Symbol:

Ergebnis der kurzen Recherche: Aha, der Mann hat vor vier Tagen seinen eBay-Namen geändert. Sehr seltsam - warum macht man das? Zu schlechte Bewertungen kassiert? Ein Klick auf das Symbol verrät den alten Namen, welcher mir irgendwie bekannt vorkommt. Genau, es ist der Firmenname des Verkäufers, der exakt so in der Artikelbeschreibung aufzufinden ist.
Ja geht’s denn noch dümmer? Die Nachfrage nach den eigenen Angeboten ab und an mal von einem Bekannten “ankurbeln” zu lassen, das soll’s ja geben. Aber unter dem eigenen Firmennamen — das muss bestraft werden.
Es kommt wie es kommen muss, die Versteigerung endet — ich habe natürlich nicht geboten (hab sie ja noch alle) — und Herr Namensänderer gewinnt seine eigene Auktion mit 820 Euro. Herzlichen Glückwunsch, viel Spaß beim eBay-Gebühren überweisen.
Was der Mann gemacht hat nennt eBay “Shill Bidding” — Bieten auf eigene Angebote — und ist nach den eBay-Grundsätzen verboten. Es gibt sogar eine Seite, wo man solche Missetäter verpfeifen kann — na das probier ich doch gleich mal aus:
Alles läuft schön anonym ab, so macht denunzieren Spaß! Nicht so schön ist: Man erfährt nicht, was aus der Sache wird — eBay dankt mir automatisch per Mail für den Hinweis, verspricht die Sache zu überprüfen und erklärt, aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht darüber informieren zu können, welche Maßnahmen ergriffen werden. Einziger Strohhalm:
“Wenn das Mitglied ausgeschlossen wurde, erscheint auf der
Bewertungsseite der Hinweis: ‘Nicht angemeldetes Mitglied’.”
Also werde ich in den kommenden Tagen öfters mal diese Bewertungsseite besuchen. Man will doch wissen, ob die ganze Anschwärz-Aktion auch was gebracht hat!
Am 3. Oktober 2007 um 14:23 Uhr
…natürlich ist nichts passiert. Sowas nennt man Interessenskonflikt. Ich habe auch einen Preistreiber, der unter seinem Klarnamen mitgeboten hat (wie doof muss man eigentlich sein) verpfiffen. Ergebnis : null, nada, nix. Der uneinsichtige Verkäufer schickt mir sogar noch ein Emil in dem er seine ‘Missetat’ zugibt. Ich schicks weiter an ebay. Ergebnis : s.o. tja die AGB’s sind bei ebay wohl nur eine Ideensammlung.