Ton Koopman in Karlsruhe
Gerade kommen wir vom Marktplatz zurück, wo in der Ev. Stadtkirche soeben ein großartiges Konzert mit Ton Koopman zu Ende gegangen ist.
Der Abend mit dem Weltstar der Orgelmusik war ein überaus gelungener Auftakt des 10. Internationalen Orgelsommers Karlsruhe, aber darüber hinaus für mich auch vor allem eine große Überraschung. Koopman verzauberte das Publikum mit seinem für die „kleine“ Rémy-Mahler-Orgel wie maßgeschneiderten Programm, so als würde er die Orgel und die Räumlichkeiten schon Ewigkeiten kennen.
Besonders die Werke von Dietrich Buxtehude (Praeludium Dur, Bux WV 139; „Komm, Heilger Geist, Herre Gott“, F-Dur, Bux WV199 und Praeludium manualiter g-Moll, Bux WV 163) hatte ich noch nie so leicht und freudig gehört. Bei der Passacaglia d-Moll, Bux WV 161, konnte ich mir bildlich vorstellen, wie der junge Bach in den Bänken der Lübecker Marienkirche sitzt und sich für seine mächtige c-Moll Passacaglia inspirieren lässt.
Danach ließ Koopman Francois Couperins „Offertoire“ und „Élevation“ aus seiner 2. Messe so spielerisch leicht erblühen, wie man das den majestätischen Stücken nie zugetraut hätte.
Die folgende Sonate D-Dur, Wq 70,5 / H86 von C. Ph. E. Bach wiederum war so vital und tänzerisch, dass man glauben konnte, die Anzeichen der Frühklassik bereits am Horizont aufleuchten zu sehen.
Die Choräle „Nun komm, der Heiden Heiland“ g-Moll, BWV 659 und „Schmücke dich, o liebe Seele“ Es-Dur, BWV 654 von J.S. Bach schließlich spielte Koopman mit solch einer spürbaren Zuneigung, wie man das nach den vielen Jahren seiner Spielpraxis und hunderten von Plattenaufnahmen nur als kleines Wunder bezeichnen kann. Die beiden Evergreens „Wachet auf ruft uns die Stimme“ Es-Dur, BWV 645 und die Fantasie G-Dur, BWV 57 wurden bei aller Virtuosität derart konturiert und akzentuiert dargeboten, wie ich es noch nie gehörte habe und auch nicht für möglich gehalten hätte.
Diesen Abend kann man nicht anders bezeichnen als ein großes musikalisches Geschenk.
Am 7. Juli 2008 um 00:03 Uhr
Noch eine Fußnote: Bisher habe ich nie verstanden, wofür eine U-Bahn in Karlsruhe gut sein soll. Seite heute weiß ich: Für die leisen Stellen im Konzert - die sind einfach viel schöner, wenn nicht gerade draussen die S4 nach Heilbronn vorbeidonnnert.